Warum in die Schule gehen?

Schulschwänzen hat viele Ursachen
(pgk) Viele Kinder haben einfach keine Lust, in die Schule zu gehen. Werden sie nach den Ursachen hierfür gefragt, erhält man die unterschiedlichsten Antworten: Einige kommen einfach im Unterricht nicht mit, sie empfinden die oft hohen Anforderungen, die ständige Angespanntheit und den Leistungsdruck als unerträglich. Die Folge: Sie "verweigern" sich, sitzen zwar in der Klasse, nehmen am Unterricht aber nicht mehr teil - bis die Wissenslücken immer größer werden. Ein Teufelskreis, der oft in Schulschwänzen mündet. In einem solchen Fall sollte bei den ersten "Auffälligkeiten" von Seiten der Eltern und Lehrer nach den Ursachen für diese Verweigerungshaltung gesucht und diese eventuell mit Hilfe eines Schulpsychologen abgeklärt werden. Oft liegen die Probleme im Elternhaus: drohende Scheidung der Eltern, zu wenig Aufmerksamkeit und Zuwendungen, weil jüngere Geschwister vorgezogen werden, beengte Raumverhältnisse ohne Rückzugsmöglichkeit und Ruhe bei den Schulaufgaben usw. Aber auch nicht erkannte oder behandelte Gesundheitsstörungen (auch psychische Erkrankungen), oder eine Legasthenie (Lese- Rechtsschreib-Schwäche) können einem Kind die Freude am Schulbesuch verleiden.
Ein ganz anderer Problembereich ist die zunehmende Gewalt an Schulen, die jeden treffen kann. Dies reicht von brutaler Gewalt (Schläge, ständiges Auflauern, Erpressung) bis zu den "subtilen" Methoden des Mobbing: Spott, Hohn, ständige Hänseleien und Erniedrigungen, Beleidigungen, Beschimpfungen durch die eigenen Klassenkameraden werden als besonders kränkend empfunden, so dass man nur einen Ausweg im Schulschwänzen sieht. Die Opfer dieser Schikanen reagieren häufig mit Kopfschmerzen, psychosomatischen Erkrankungen und Schulangst.
Nach Untersuchungen von Psychologen haben versteckte Schikanen, sog. Beziehungsaggressionen, ähnliche Wirkungen wie offene Aggressionen (Schupsen, Rangeln, Prügeln). So konnte nachgewiesen werden, dass sich nicht nur körperliche Gewalt, sondern auch die von Eltern, Lehrern und Psychologen weitaus schwieriger zu entdeckenden und zu diagnostizierenden "subtilen" Aggressionen auf die soziale und emotionale Entwicklung der Opfer - aber auch der Täter - gleichermaßen negativ auswirkt.
Nach Untersuchungen der Psychologin Dr. Mechthild Schäfer von der Universität München werden allerdings die Opfer von Beziehungsaggressionen in der Klasse viel stärker ausgegrenzt und abgelehnt als die Opfer körperlicher Gewalt. Diese Ablehnung kann äußerst stabil sein und hält nicht selten über Jahre an. "Wer einmal in der Klasse als Opfer von Beziehungsaggressionen gebrandmarkt ist", so Dr. Schäfer, "wird diese Rolle nur sehr schwer wieder los." Deshalb, so die Münchner Psychologin, sollten die Lehrer nicht nur dann reagieren, wenn Gewalt oder Schikanen gegen einzelne Schüler eskalieren, sondern bereits präventiv tätig werden. Nur eine Schulklasse, in der ein positives Sozialklima herrscht, in der die Schüler ein respektvolles Miteinander lernen, bietet die Voraussetzung, für das spätere Leben in einer oft noch viel härteren und "brutaleren" Berufswelt die notwendigen sozialen Kompetenzen zu erlernen.
Aus dem Onlineangebot des Deutschen Grünen Kreuzes Nach oben
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